Wettkampfarten
Im FKV gibt es Boßeln als Stand- oder als
Streckenwerfen. Das Standwerfen kann ein Einzel- oder
Mannschaftswerfen sein.
Jeder Teilnehmer hat hierbei eine bestimmte Anzahl von Würfen auf einer
vorher
festgelegten Wurfbahn von der gleichen Abwurfstelle aus. Die Abwurflinie und
die ganze
Wurfbahn sind in ausreichender Länge markiert. Die Kugel muss die
Hand des Werfers vor der Ab-
wurflinie verlassen haben. Ungültige Würfe dürfen
nicht wiederholt werden. Das Standwerfen findet
hauptsächlich Anwendung bei dem
Friesischen Mehrkampf und bei Vereinsfesten.
Beim Streckenwerfen wird auf einem Straßenstück
hingeworfen bis zu einer festgelegten Wende-
marke und von dort zurück zur
Zielmarke. Immer gilt es, die gesamte Wurfstrecke mit möglichst
geringen Anzahl
von Würfen zu durchwerfen. Ein Ersatzwerfer kann nur den Platz eines
ausgeschiedenen Werfers einnehmen.
2. Technik
Die Technik des Boßelns ist mit anderen
Wurfdisziplinen vergleichbar. Der Werfer nimmt bei einem
Boßelwurf
ca. 20 Meter Anlauf, der mit einem Abwurf endet, bei dem die Boßelkugel geworfen wird.
Die Kugel wird hierbei in der
gesamten Hand gehalten.
Während der Werfer langsam anläuft und im Laufe des Anlaufes schneller wird,
wird der Wurfarm
senkrecht am Körper gehalten. Kurz vor dem Abwurf wird der
Wurfarm (am Körper entlang) nach hinten ausgeholt. Im Moment des Absprungs wird
der Wurfarm mit großer Geschwindigkeit und großem Kraftaufwand nach vorne
geschnellt, um die Kugel mit einer hohen Geschwindigkeit zu werfen. Der
Bewegungsablauf ist vergleichbar mit dem Kegeln, nur beim Boßeln
ist relevant, wie weit man die Kugel wirft (bzw. rollt).
Genauigkeit ist natürlich auch sehr wichtig. Beim Abwurf unterscheidet man die
drei Wurfarten “liek ut
Hand”, “över´d Finger” und “över´d
Duum”, um die Kugel mit einen gewissen Drall zu
werfen.
3. Wurfgeräte:
a.) Holzkugel
Ralf Klingenberg, Rahe
Als Ursprungsmaterialien für die Holzboßeln wurden
das Holz des tropischen Gujakbaumes und der einheimischen Kirsche verwendet. Die heutigen Kugeln werden aus schwarzem
Hartkunststoff hergestellt.
b.) Gummikugel
Karsten Biermann, Westeraccum
Auch die Materialien für die Herstellung der Gummikugeln haben sich geändert.
Früher wurden die Kugeln
mit einer Bleikugel, die von zwei zusammengeklebten
Gummihälften umgeben war, hergestellt. Heute hat
sich Weichgummistoff
(scherzhaft „Flummy“ genannt) als Material
durchgesetzt. Diese Kugeln sind
flexibler
und bringen größere Weiten. Auch die
Farbe hat sich geändert. Früher waren die Gummikugeln
schwarz,
heute dominiert
rot.
c:) Eisenkugel
Hauke Karsjens, Wiesederfehn
Die Eisenkugeln bestehen ganz aus Eisen und ist das traditionelle Wurfgerät der
Iren. Seit den 60er
Jahren
ist sie durch die internationale Zusammenarbeit (Europameisterschaften) auch in Deutschland
als Wurfgerät
anerkannt. Allerdings beschränkt sich dies nur auf Wettkämpfe von
Einzelwerfern. Mannschaftswerfen mit
der Eisenkugel finden in Deutschland nicht
statt.
4. Geschichte
Der Boßelsport hat sich aus dem Klootschießen
entwickelt. Zum einen brachte das Klootschießen
eine
schwere
Technik mit sich, die nicht von vielen beherrscht wurde. Und zum
anderen wurde wahrscheinlich
der Boßelsport
als
Ausgleichsspiel eingeführt, da mangels Frostwetter kein Klootschießen
durchgeführt
werden konnte. Das Boßeln bietet den
Vorteil, dass man es auf vielen Nebenstraßen zu allen Jahreszeiten betreiben
kann. Wichtig
ist, dass der Werfer die Beschaffenheit der Straße kennt. Weiß
er,
welches Gefälle sie hat, kann er sich
darauf einstellen und dementsprechend
werfen. Auch interessant für den Werfer kann sein, ob die
Straße
eine Berme (an
der er entlang werfen kann) oder eine Spurrille hat (in der er werfen kann).Auf
die Beschaffenheit achtet aber meistens der Bahnweiser, der dem Werfer
entsprechende Tipps zuruft
und entscheidet, auf welcher Seite der Straße der
Werfer anzulaufen und wie er zu werfen hat.